Festival Special: Opera
»Who will supply us with the missing, last-of-all fourth or seventh act, in which Tristan and Isolde turn sceptical and enter into a marriage of convenience, Lulu is resurrected as a Vestal Virgin, and Sarastro hands over his three priestly chords to the Queen of the Night for her sole disposal?«
So beginnt Alfred Brendel sein augenzwinkerndes Gedicht »Opern«, dessen
Kernfrage lautet: »Wer beglückt uns mit dem langersehnten / dem
endgültigen Finale / das die Vollendung noch vollendeter macht / die
Unordnung wiederherstellt«. Seinen Wunsch, die Unordnung in der Oper als
Vollendung der Vollendung wiederherzustellen, können wir zwar beim
Rheingau Musik Festival nicht erfüllen, aber doch immerhin neue
Perspektiven auf Altbekanntes eröffnen, Verschollenes wieder neu
erfahrbar machen und so vielleicht auch ungeahnte Ergebnisse
präsentieren. Die Oper ist ein Genre, das für gewöhnlich im
Festivalprogramm nur am Rande und auch dann nur als konzertante
Aufführung einen Platz findet. In diesem Jahr allerdings bilden vier
außergewöhnliche Opernprojekte einen ganz eigenen Programmschwerpunkt:
Allen vier Produktionen ist gemein, dass sie sich auf die ein oder
andere Weise von herkömmlichen Operninszenierungen – die in Theatern und
Opernhäusern ihr adäquates Zuhause haben – unterscheiden. Damit passen
sie perfekt zum Rheingau Musik Festival, denn besondere Produktionen
fordern besondere Spielstätten und mit diesen können wir dienen! Die
Kammeroper München kommt mit einer kleinen Truppe von jungen Sängern in
das Kurhaus Bad Schwalbach und bietet als Opernpremiere eine
Interpretation von Rossinis »Die diebische Elster«. Die Peking-Oper des
deutschen Komponisten Karsten Gundermann frei nach dem Hans-Christian
Andersen-Märchen »Die Nachtigall« findet im Frankfurter Palais im Zoo
den passenden Raum. Vor der Vorstellung besteht sogar die einzigartige
Gelegenheit, den Sängern beim Schminken ihrer traditionellen Masken über
die Schultern zu schauen! Die Lautten Compagney Berlin bringt
Alessandro Scarlattis »Penelope la casta«, deren Partitur erst im
vergangenen Jahr in alten Beständen der Berliner Singakademie wieder
entdeckt wurde, zu einer der ersten neuzeitlichen Aufführungen ins
Kloster Eberbach. Die Taschenoper Lübeck schließlich hat eine Fassung
des »Fliegenden Holländers« für Kinder erstellt.

