Logo

27. Rheingau Literatur Preis an Annette Pehnt

Die deutsche Schriftstellerin Annette Pehnt wurde am 27.9.2020 für ihren Roman „Alles was Sie sehen ist neu“ auf Burg Schwarzenstein in Geisenheim-Johannisberg mit dem Rheingau Literatur Preis 2020 ausgezeichnet. Die durch das Rheingau Literatur Festival initiierte Ehrung wurde in diesem Jahr zum siebenundzwanzigsten Mal vergeben. Der Preis ist mit 11.111 Euro und 111 Flaschen besten Rheingau Rieslings dotiert. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Rheingau Musik Festival e.V. stiften je 5.000 Euro des Preises, der vom Relais & Châteaux Hotel Burg Schwarzenstein um 1.111 Euro ergänzt wird. Die erlesenen Weine stammen aus den herausragenden Kellern des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter Rheingau. Die Laudatio auf Annette Pehnt hielt Andreas Platthaus, Leiter das Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der F.A.Z. und Mitglied der Jury des Rheingau Literatur Preises.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn: „Annette Pehnt hat uns mit ,Alles was Sie sehen ist neu' einen eindrucksvollen Roman geschenkt, der die europäische Perspektive neu fokussiert und uns auf eine unterhaltsame Reise mitnimmt. Ich gratuliere herzlich zum Rheingau Literatur Preis und freue mich, dass wir diese Auszeichnung als Teil unserer Literaturförderung tatkräftig unterstützen. Mein Dank geht an das Gremium, das jedes Jahr aufs Neue mit feinem Gespür Autorinnen und Autoren prämiert, die sich mit Themen unserer Zeit in herausragender Prosa auf künstlerisch hohem Niveau auseinandersetzen."

Aus der Laudatio von Andreas Platthaus
: „Annette Pehnt ist genau die richtige Autorin für den Rheingau Literatur Preis. Das Buch, für das sie ausgezeichnet wird, heißt ‚Alles was Sie sehen ist neu“. Was wir darin lesen, ist auch neu – ein einfühlsamer Blick in die Strukturen einer Diktatur. Sie trägt den Namen ‚Kirthan‘, doch dahinter ist unschwer China zu entdecken. Dort findet eine Begegnung von Orient und Okzident, bei der ein einheimischer Reiseleiter eine deutsche Besuchergruppe führt. Aus der Kraft seiner Geschichten soll das Bild des modernen Kirthan erstehen, doch er kennt auch die andere Seite des Landes. Die große Erzählerin Annette Pehnt hat das gleiche Ideal wie ihre Hauptfigur: Gegenwärtigkeit, zeitlich verstanden und geistig. Dazu braucht es Neugier: ‚Den Blick, der alles festhalten will, habe ich mir nie abgewöhnt‘, hat Annette Pehnt festgestellt. Neugier aber umfasst auch den Prozess des Schreibens selbst, und so können wir den Titel ‚Alles was Sie sehen ist neu‘ programmatisch lesen: Keines der vielen Bücher dieser Schriftstellerin gleicht diesem.“  

Annette Pehnt
, geboren 1967 in Köln, ist freie Schriftstellerin seit 2001. Seitdem hat sie zahlreiche Romane publiziert, darunter „Haus der Schildkröten“, „Mobbing“, „Chronik der Nähe“ und „Briefe an Charley“, sowie Kinderbücher wie „Der Barbeiß“. Sie lebt mit ihrer Familie in Freiburg und leitet das Studio für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim.

Jurybegründung

In ‚Alles was Sie sehen ist neu‘ erzählt Annette Pehnt von der Reise einer Gruppe deut-scher Kulturbürger in ein fernöstliches Land namens Kirthan. Sie kommen mit festen Erwartungen, doch sie finden einen Staat in tiefer Ambivalenz zwischen Tradition und Vormarsch in die Moderne. Alle westlichen Wahr- und Weisheiten kommen dort an ein Ende, und bald droht auch dem Reiseprogramm der Abbruch. In diesem Moment verlässt Annette Pehnts Roman die Deutschen und begibt sich auf den Spuren des kirthanischen Reiseleiters zu dessen Lebensstationen über drei Jahrzehnte hinweg. Die europäische Perspektive wird neu fokussiert, ehe das Buch in einem furiosen Finale die Hybris eines angelesenen Verständnisses der Kraft des Zuhörens und Weitererzählens gegenüberstellt. ‚Alles was Sie sehen ist neu‘ sucht die Balance zwischen Orient und Okzident, Kollektivismus und Individualismus, Allegorie und Beobachtung. Das Buch ist ein Schlüsselroman, denn es öffnet die Welt.

Rheingau Literatur Preis

Der Rheingau Literatur Preis ist mit 11.111 Euro und 111 Flaschen besten Rheingau Rieslings dotiert und würdigt herausragende deutschsprachige Prosa der letzten zwölf Monate. Die durch das Rheingau Literatur Festival initiierte Ehrung wird in diesem Jahr zum siebenundzwanzigsten Mal vergeben. Der Geldpreis von 11.111 Euro wird mit je 5000,- Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und vom Rheingau Musik Festival e. V. getragen. Der Hauptsponsor des Rheingau Literatur Festivals, Burg Schwarzenstein Relais & Châteaux, stockt die Summe um 1.111 Euro auf. 111 Flaschen besten Rheingauer Weins stellt der Verband Deutscher Prädikatsweingüter Rheingau zur Verfügung.

Die Jury

  • Prof. Dr. Heiner Boehncke
    Künstlerischer Leiter des Rheingau Literatur Festivals, Publizist und Literaturwissenschaftler

  • Dr. Viola Bolduan
    ehemals Feuilletonchefin Wiesbadener Kurier

  • Dr. Alf Mentzer
    Literaturredakteur hr2-kultur

  • Andreas Platthaus
    Leiter das Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der F.A.Z.

  • Dr. Insa Wilke 
    freie Literaturkritikerin aus Berlin

Die bisherigen Preisträger

Stefanie Menzinger, „Schlangenbaden“ (1994)
Ulla Berkéwicz, „Mordad“(1995)
Herbert Maurer, „Ein Rabenflug“ (1996)
Thomas Meinecke, „Tomboy“ (1997)
Hella Eckert, „Hanomag“ (1998)
Thomas Lehr, „Nabokovs Katze“ (1999)
Peter Stamm, „Agnes“ und „Blitzeis“ (2000)
Bodo Kirchhoff, „Parlando“ (2001)
Robert Gernhardt, „Im Glück und anderswo“ (2002)
Reinhard Jirgl, „Die Unvollendeten“ (2003)
Ralf Rothmann, „Junges Licht“ (2004)
Gert Loschütz, „Dunkle Gesellschaft“ (2005)
Clemens Meyer, „Als wir träumten“ (2006)
Antje Rávic Strubel, „Kältere Schichten der Luft“ (2007)
Ursula Krechel, „Shanghai fern von wo“ (2008)
Christoph Peters, „Mitsukos Restaurant“ (2009)
Jochen Schimmang, „Das Beste, was wir hatten“ (2010)
Josef Haslinger, „Jáchymov” (2011)
Sten Nadolny, „Weitlings Sommerfrische“ (2012)
Ralph Dutli, „Soutines letzte Fahrt“ (2013)
Stephanie Bart, „Deutscher Meister“ (2014)
Klaus Modick, „Konzert ohne Dichter“ (2015)
Saša Stanišić, „Fallensteller“ (2016)
Ingo Schulze, „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst" (2017)
Robert Seethaler, „Das Feld" (2018)
Dörte Hansen, „Mittagsstunde" (2019)