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Die Themen des Festivalsommers 2017

Rheingau Musik Festival vom 24.6. bis 2.9.2017

© Sabine Siemon

Das Rheingau Musik Festival wird 2017 dreißig Jahre alt. Aus einem kleinen Verein wurde ein großer internationaler Kulturbetrieb, aus einer Idee Wirklichkeit. Dieses Jubiläum gibt uns Gelegenheit, dankbar zurückzublicken und gleichzeitig den Blick nach vorne zu wagen: Wie soll unser Musikfestival in Zukunft aussehen? Der Festivalsommer steht daher ganz im Zeichen von „Aufbruch“. Mit hochkarätigen Künstlern haben wir musikalische Projekte konzipiert, die diesem Leitgedanken entspringen: Der „Aufbruch“ kann kommen!

Selbstverständlich ist an dieser Stelle nur Raum für einen Bruchteil dessen, was das Rheingau Musik Festival in seiner Jubiläumssaison zu bieten hat. Nehmen Sie sich also Zeit, klicken Sie sich durch unsere Website, blättern Sie in Ruhe durch unser Festivalmagazin (hier bestellen) und lassen Sie sich von unserem Programm inspiririeren: Wir hoffen, Ihnen Lust auf viele musikalische Erlebnisse machen zu können!

Ihr Michael Herrmann

Artist in Residence - Fokus - Fokus Jazz

Artist in Residence: Igor Levit

© Robbie Lawrence

»Seit unseren allerersten Gesprächen war klar, dass die Residenz beim wunderbaren Rheingau Musik Festival eine ganz besondere werden würde. Programme und Projekte entstehen meiner Meinung nach nie in der Dunkelkammer, sondern nur gemeinsam. Und so freue ich mich, nach vielen inspirierenden Begegnungen mit den Verantwortlichen und einem so fruchtbaren Austausch an Ideen auf unseren gemeinsamen Rheingausommer!«

Als Artist in Residence zeigt Igor Levit beim Rheingau Musik Festival in sechs Konzerten mit Musik von Beethoven bis Rzewski sein ganzes Können. Dabei taucht er an den Abenden mit befreundeten Musikern in den Kosmos jeweils nur eines Komponisten ein: In zwei Rezitals bringt er die Schostakowitsch-Präludien und -Fugen op. 87 (28.6.) und die späten Schubert-Sonaten (28.7.) zu Gehör. Am zweiten Schubert-Abend interpretiert Levit mit dem Tenor Simon Bode den Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ (29.7.). Einen im Musikgeschäft seltenen Blick auf die Person hinter der Musik verspricht das Rendezvous mit Igor Levit – ein Gesprächsabend mit der Musikjournalistin Katharina Eickhoff (30.7.). Mit Veronika Eberle und Isang Enders spielt er ein reines Beethoven-Programm: die zehnte Violinsonate, die „Sonata quasi una fantasia“ und die „Mondscheinsonate“ sowie das dritte Klaviertrio (24.8.). Als Solist führt er mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter seinem Chefdirigenten Lionel Bringuier Beethovens fünftes Klavierkonzert auf (25.8.). Gemeinsam mit dem großen amerikanischen Komponisten Frederic Rzewski bringt er dessen Klavierzyklus „Dreams“ zur Aufführung. (26.8.).

Vier ausgewählte Konzerte mit Igor Levit (28.6., 28.7., 29.7. und 26.8.) sind im Abo zum ermäßigten Gesamtpreis erhältlich.

Fokus: Anna Lucia Richter

© Matthias Baus

»Ich möchte das Publikum einladen, einen kurzweiligen Abend zu erleben und in dieser Kurzweiligkeit einen so großen zeitlichen Raum zu spüren, dass es anders aus dem Konzert rausgeht, als es hineinkommt, und zwar positiver und mehr bei sich. Das wünsche ich mir und das hoffe ich, zu erreichen. Die Musik, die ich ausgesucht habe, bietet zumindest diese Möglichleit!«

Mit Anna Lucia Richter nehmen wir zum ersten Mal eine Sängerin in den Fokus, die uns mit ihrer Stimme mit Sicherheit tief berühren wird: In ihrem Schubert-Liederabend spannt sie mit dem Pianisten Michael Gees einen dramaturgischen Bogen von der Hoffnung über die Liebe zur Sehnsucht und lässt dabei unter anderem eine Suleika, eine Mignon und einen Zwerg zu Wort kommen (16.7.). Im Rendezvous mit Anna Lucia Richter gibt sie Einblicke in ihre Gedankenwelt (5.8.). Mit befreundeten Musikern gestaltet sie einen Bach-Abend mit Liedern aus der Schemelli-Sammlung und einigen kleinen musikalischen Schätzen aus dem Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach (6.8.). Zusammen mit weiteren herausragenden Gesangssolisten tritt sie in Mendelssohns Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ vor großes Orchester und großen Chor (18.8.).

Fokus Jazz: Michael Wollny

© Jörg Steinmetz

»Ich freue mich riesig, als „Fokus Jazz“-Künstler drei außergewöhnliche Konzertabende für das Rheingau Musik Festival zusammenstellen zu dürfen! Eine großartige Gelegenheit, besondere Formationen und Musiker einzuladen und mit ihnen gemeinsam Musik zu entdecken, die so nur selten auf die Bühne kommen kann. In diesem Sinne freue ich mich auf Überraschendes und Neues, und nicht zuletzt auf das einzigartige Ambiente dieses Festivals!«

Michael Wollny präsentiert in vier Veranstaltungen seine ganze musikalische Raffinesse: Im Duo mit dem  Marius Neset, dem Shootingstar am Saxophon, wagt Wollny einen musikalischen Seiltanz voller ausschweifender Improvisationen (14.7.). Einen im Musikgeschäft seltenen Blick auf die Person hinter der Musik verspricht das Rendezvous mit Michael Wollny – ein Gesprächsabend mit Katharina Eickhoff (22.8.). In dem exklusiv für das Festival zusammengestellten Projekt Michael Wollny & Friends versammelt der Meister des feinen Klangs mit Andreas Schaerer, Émile Parisien und Vincent Peirani enge musikalische Vertraute um sich (23.8.). Zum Abschluss seiner „Fokus Jazz“-Residenz begibt sich Michael Wollny zusammen mit seinem Trio und dem Norwegian Wind Ensemble auf eine improvisatorische Mondreise – ein inspirierendes Abenteuer voll unkonventioneller Hörerfahrungen (29.8.).

Themenschwerpunkte

Erinnerungen an Prades

© Michael Herrmann

Mit der Reihe „Erinnerungen an Prades“ greifen wir die persönliche Initialzündung des Festivalgründers und Intendanten Michael Herrmann auf: Künstler von Weltformat führen Klaviertrio-Programme auf, die in den sechziger Jahren auf dem Festival von Pablo Casals in den französischen Pyrenäen gespielt wurden. Dort setzte sich Michael Herrmanns Vision eines Festivals im Rheingau fest. Die Brüder Renaud und Gautier Capuçon mit Frank Braley (8.7.), die Geschwister Tanja und Christian Tetzlaff mit Lars Vogt (20.8.) sowie Veronika Eberle und Isang Enders mit Igor Levit (24.8.) kommen ebenso in den Rheingau wie die drei LOTTO-Förderpreisträger Marc Bouchkov, Pablo Ferrández und Christopher Park (10.8.). Die Schirmherrschaft der Kammermusikreihe „Erinnerungen an Prades“ übernimmt Marta Casals Istomin, die Witwe von Pablo Casals.

Die vier Konzerte der Prades-Reihe sind im Abo zum ermäßigten Gesamtpreis erhältlich.

Next Generation

Wir halten kontinuierlich Augen und Ohren offen, um Ausnahmetalente frühzeitig zu erkennen und zu fördern. Denn der musikalische Nachwuchs ist unsere Zukunft. Er stellt die Weichen für die kommenden Jahrzehnte. Der „Next Generation“ räumen wir in diesem Jahr daher einen besonderen Stellenwert ein: Bei „Junge Meisterpianisten der russischen Schule“ (23.7.) und „Klassik-Marathon“ (19.8.) gibt es wieder zahlreiche junge Talente zu entdecken. Die Geigerin Tianwa Yang (30.8.) sowie die Pianisten Ben Kim (4.7.), Dmitry Masleev (13.7.), Behzod Abduraimov (1.8.) und Lucas Debargue (23.8.) stellen in Rezitals ihr künstlerisches Vermögen unter Beweis. Weiterhin treten das kreative siebenköpfige Bläserensemble Federspiel (21.7.), mit dem Streichquartett Quatuor Arod (3.8.) die Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs 2016 und das innovativ-wandlungsfähige vision string quartet (26.8.) beim Rheingau Musik Festival auf.

In Begleitung renommierter Orchester kehren die Pianisten-Brüder Lucas und Arthur Jussen (6.7.) und der Cellist Edgar Moreau (13.7.) zum Festival zurück. Hingegen geben der Trompeter Tamás Pálfalvi im Rahmen der Mozart-Nacht (8.7. & 9.7.) und der erst 15-jährige Pianist Alexander Malofeev mit dem Baltic Sea Philharmonic unter Kristjan Järvi (20.8.) ihren Festival-Einstand direkt auf der großen Bühne. Unsere internationalen Jugendorchester versprechen mitreißende Konzerte und schlagen gleichzeitig eine Brücke zwischen Kunst und Gesellschaft: das Colombian Youth Philharmonic (30.6. & 1.7.), die LGT Young Soloists (27.7.) und das No Borders Orchestra (27.8.). Daneben haben sich die beiden versiertesten deutschen Jugendensembles angekündigt: das Bundesjugendballett (27.6.) und das Bundesjugendorchester (16.8.).

Tanz!Musik

© Silvano Ballone

Unter „Tanz!Musik“ versammeln wir Projekte, die auf verschiedenste Art dem Tanz entspringen: Musik, die tanzt und Musik, die vertanzt wird. Damit spüren wir dem engen Verhältnis zwischen den beiden Künsten nach, denn gerade wenn Musik und Tanz eine Verbindung eingehen, entsteht eine universelle Sprache: Das Bundesjugendballett bringt ein Musik- und Tanztheater rund um den „Kleinen Prinz“ auf die Bühne (27.6.). Gemeinsam mit der Amsterdam Sinfonietta bittet der Klarinettist Martin Fröst zum Tanz in den Eberbacher Kreuzgang (28.6.) Zwei Tage später folgen im Kreuzgang die Trondheim Soloists mit nordischer Volksmusik, die vom gleichen Esprit geprägt ist (30.6.). In „The High Road to Kilkenny“ widmen sich Les Musiciens de Saint-Julien schwungvollen gälischen Liedern und Tänzen (5.7.). Drei Meisterwerke des klassischen Tanztheaters verwandeln das Kurhaus Wiesbaden in eine einzigartige Ballett-Atmosphäre: Das Colombian Youth Philharmonic und Andrés Orozco-Estrada interpretieren Igor Strawinskis „Le Sacre du Printemps“ (30.6.), die Sankt Petersburger Philharmoniker Tschaikowskis „Schwanensee“-Suite (17.8.), das Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi Strawinskis „Der Feuervogel“ (20.8.). Bettina Castaño wird dem Publikum mit einer Flamenco-Darbietung den Atem rauben (9.7.).

Einen lebhaften neuen Anstrich verpassen die Cellistin Harriet Krijgh und das SIGNUM saxophone quartet der Musik von Bach bis Piazzolla (12.7.). Die Pianisten Dmitry Masleev (13.7.) und Christian Zacharias (1.9.) sowie die Violinistin Tianwa Yang (30.8.) widmen sich in ihren Rezitals dem Spannungsfeld zwischen expliziten Tanzformen und lyrischem Musikstück. Brahms’ Liebeslieder Walzer interpretiert die Gaechinger Cantorey unter Hans-Christoph Rademann (14.7.). Die Star-Akkordeonistin Ksenija Sidorova spürt farbenreich dem Tango nach (16.8.). Bei „Hexentanz und Zaubermusik“ erwartet unsere jüngsten Festivalbesucher ein bezauberndes Sitzkissenkonzert (20.8.). Der französische Harfenist Xavier de Maistre und die mexikanisch-spanische Kastagnetten-Virtuosin Lucero Tena entfachen in einer spanischen Nacht südlich-mediterranes Temperament (25.8.). Den Glamour Frankreichs zelebriert die Hamburger Ratsmusik, die die Tanzmusik zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. aufleben lässt (27.8.). Dem schließt sich das No Borders Orchestra mit Dvořáks „Slawischen Tanzen“ und Kodálys „Tänzen aus Galanta“ an (27.8.). Die Cuban-European Youth Academy präsentiert als krönender Abschluss eine für das Rheingau Musik Festival komponierte Suite aus kubanischen Liedern und Tänzen (1.9.).

Expedition Sound

In „Expedition Sound“ werden musikalische Welten miteinander verwoben: von Künstlern unterschiedlicher kultureller Herkunft, die sich für gemeinsame Projekte zusammentun, und von anderen, die dieses künstlerische Nebeneinander bereits in sich vereinen. Beim Zusammentreffen des Mandolisten Avi Avital mit dem Jazz-Bassisten Omer Avital (29.6.) entsteht ein Schmelztiegel aus nordafrikanischen Klängen, folkloristischen und klassischen Musiktraditionen, israelischen Harmonien sowie mediterranen Rhythmen. In Joy Denalanes (9.7.) Musik schlagen zwei Herzen: ihr Vaterland Südafrika in Rhythmen und Melodien, das Mutterland in den größtenteils deutschen Texten. Mit dem Geiger und Arrangeur MIKI hat sie ihren eigenen Songs eine Streichquintett-Kur verordnet. Das Duo BartolomeyBittmann (19.7. & 20.7.) öffnet die Klassik und kreuzt diese mit Elementen des Rock, Jazz, Folk und der Kammermusik. Der Pianist, Komponist und DJ Francesco Tristano (21.7.) bewegt sich zwischen Bach und Cage, Jazz und Elektronik. Im Konzert mit der Camerata Geneva stellt er seine eigene Musik in Beziehung zu den Klavierkonzerten des barocken Meisters. Das türkische Pera Ensemble und das Orchester l’arte del mondo (10.8.) betätigen sich in „Carneval Oriental“ als musikalische Mittler: die einen stets auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen Orient und Okzident, die anderen von der Tradition der Alten Musik kommend.

Das selbsternannte „Musikgenie“ Chilly Gonzales (19.8.) klemmt sich erfolgreich zwischen Rap, Pop, Klassik und Jazz. Seiner neu entfachten Liebe zum Streichquartett sind die Kompositionen für das Hamburger Kaiser Quartett zu verdanken. Für Anoushka Shankar (24.8.) ist die Sitar kein Instrument, dessen Ausdrucksmöglichkeiten an den Grenzen klassischer hindustanischer Musik enden. Mit dem Zürcher Kammerorchester begibt sie sich auf eine klangvolle Reise und verwebt dabei Klassik, Jazz- und Popmusik mit klassischen indischen Stilrichtungen. Das junge innovative vision string quartet (26.8.) bewegt sich genreübergreifend zwischen klassischer Quartett-Literatur, Eigenkompositionen und Arrangements aktueller Musikformen. Aus der Vereinigung des Avishai Cohen Trio (30.8.) mit dem orchestralen Impetus des Stuttgarter Kammerorchesters entsteht eine kreative Allianz: Hymnische Themen treffen auf Bach’sche Kontrapunkte, die in arabische Tänze branden. Das Swedish Chamber Orchestra schließlich nimmt Bachs Musik in ihrem „Brandenburg Project“ (31.8.) ebenfalls als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle.