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Rheingau Literatur Festival 2022

WeinLese 2022: 15.9. bis 25.9.2022

Seit 1993 gesellt sich zur herbstlichen Traubenlese im Rheingau eine besondere „WeinLese“, das Rheingau Literatur Festival. Aus der reichen Ernte des aktuellen Literaturgeschehens wird für das Publikum eine Auslese gekeltert und zum Genuss vorbereitet. In den einmaligen Kulturstätten des Rheingaus, ausgewählte Kelterhallen, Weingütern, Burgen und Schlössern, hält jedes Jahr Ende September die Literatur Einzug. Idyllische Weingüter und hochherrschaftliche Schlösser öffnen ihre Pforten für Entdeckerfreude und pure Leselust. Das Konzept ist seit mehr als zwei Jahrzehnten so einfach wie erfolgreich: Im Mittelpunkt jeder Veranstaltung steht der Dialog mit den Schriftstellern, die aus ihren aktuellen Werken Kostproben geben. Zusammen mit unseren renommierten Moderatoren tauchen Sie intensiv in die vorgestellten Werke ein, erfahren mehr über die Hintergründe und verstehen Zusammenhänge. Mit Literatur auf Tuchfühlung zu gehen, steht im Fokus der WeinLese, die dazu den intimen und inspirierenden Rahmen sucht – und im geschichtsträchtigen Rheingau findet. Traditionell werden die Lesungen durch Literarische Weinwanderungen ergänzt.

Dieses Jahr findet die WeinLese unter neuer Leitung statt. Denn seit 2022 ist der Journalist, Schriftsteller und Autor Andreas Platthaus neuer Künstlerischer Leiter des Rheingau Literatur Festivals. Er tritt damit die Nachfolge Prof. Heiner Boehnckes an, der von 2004 bis 2021 für das Programm des Rheingau Literatur Festivals verantwortlich zeichnete und nun in den Festival-Ruhestand getreten ist.

Joachim Gauck: Winter im Sommer – Frühling im Herbst

Joachim Gauck © J. Denzel/S. Kugler

15.9. | Donnerstag 19 Uhr | Schloss Johannisberg, Fürst von Metternich-Saal

Joachim Gauck Lesung

Mit dem Memoirenbuch „Winter im Sommer, Frühling im Herbst – Erinnerungen eines friedlichen Revolutionärs“ blickt Joachim Gauck auf seinen Lebensweg zurück. Geboren 1940 in Rostock, verbrachte der spätere Bundespräsident seine Kindheit in einem Dorf an der Ostseeküste – und in drei gesellschaftlichen Systemen: dem „Dritten Reich“, der sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Gauck studierte Theologie in seiner Geburtsstadt und wirkte danach als Pastor und Funktionär in der Evangelischen Kirche in Mecklenburg. 1989 wurde er zu einer Symbolfigur des politischen Umbruchs. Nach dem Mauerfall übernahm Gauck politische Verantwortung; er wurde 1990 Abgeordneter im ersten freien Parlament der DDR und war bis zum Jahr 2000 erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Der Kampf gegen das Vergessen und Verdrängen blieb als Redner und Kommentator Gaucks großes Thema – gerade auch als Bundespräsident in den Jahren 2012 bis 2017, ehe er sich entschied, nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen.

Joachim Gauck ist Bundespräsident a.D. Berühmt wurde er durch sein Engagement in der Friedlichen Revolution von 1989 und als erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen (1990 bis 2000); für die von ihm geleitete Institution bürgerte sich damals die Bezeichnung „Gauck-Behörde“ ein. Im Vorjahr war er bereits einmal zu Gast beim Rheingau Literatur Festival.

Wolfgang Schäuble: Grenzerfahrungen: Wie wir an Krisen wachsen

Wolfgang Schäuble © Deutscher Bundestag/Achim Melde

16.9. | Freitag 19 Uhr | Schloss Johannisberg, Fürst von Metternich-Saal

Wolfgang Schäuble Lesung
Andreas Platthaus Moderation

Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben vieles von dem, was uns selbstverständlich erschien, in Frage gestellt. Doch beide Ereignisse sind nur Endpunkte eines ganzen Krisenjahrzehnts, in dem Wolfgang Schäuble als Finanzminister und Bundestagspräsident zu den wichtigsten deutschen Akteuren gehörte. In seinem  Gesprächsband „Grenzerfahrungen – Wie wir an Krisen wachsen“ erkundet er die politischen Erkenntnisse aus jenem Jahrzehnt und scheut sich nicht davor, unbequeme Debatten anzustoßen: Welchen Preis hat der Schutz des Lebens, wenn zugleich die Grundrechte eingeschränkt werden? Wie balancieren wir die verschiedenen Bedürfnisse in einer Gesellschaft, so dass alte Menschen besonders geschützt und zugleich die Zukunftschancen der nachfolgenden Generationen gewahrt bleiben? Was heißt europäische Solidarität? Das Buch soll die Debatte darüber anstoßen, was es zu bewahren gilt und wo wir unserem Denken und Handeln eine neue Richtung geben sollten.

Wolfgang Schäuble, geboren 1942 in Freiburg im Breisgau, ist seit 1972 für die CDU Abgeordneter im deutschen Bundestag und damit mittlerweile der dienstälteste Parlamentarier der deutschen Geschichte. Er war unter anderem Innen- und Finanzminister, Partei- und Fraktionsvorsitzender der CDU sowie von 2017 bis 2021 Präsident des Deutschen Bundestages.

Literarische Weinwanderung zu den Rieslingschlössern

Blick auf Schloss Johannisberg © Hannah Meinhardt
© Hannah Meinhardt

17.9. | Samstag 10:30 Uhr | Hattenheim, Parkplatz am Weinprobierstand

Auf Dichters und Denkers Spuren durch den Rheingau

Heiner Boehncke, langjähriger künstlerischer Leiter des Rheingau Literatur Festivals, und der Wanderführer, Rieslingfreund und Winzer Franz Herke laden ein zu einer literarischen Weinwanderung. An den Weinfässern des Weinprobierstands in Hattenheim startet die Wanderung mit Ziel Johannisberg, von dem schon Heinrich Heine schwärmte: „Mon Dieu! wenn ich doch so viel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte – der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe.“ Doch führt die Route zunächst nach Oestrich, vorbei am Oestricher Kran, an den Weinlagen Oestricher Doosberg und Oestricher Lenchen. Auf der Terrasse von Schloss Vollrads kehrt man zur Mittagsrast mit Wein und Flammkuchen ein. Anschließend folgt die letzte Etappe zum Schloss Johannisberg und die Wanderung klingt im Spätlesereiterhof bei einem Glas Riesling aus. In gekonnter Manier liest Heiner Boehncke an ausgewählten Ruhepunkten literarische Texte über den Rheingau vor. Damit kann man die landschaftliche Schönheit an Ort und Stelle mit Schätzen der Literatur unter anderem von Goethe, Bettine und Clemens Brentano und Heinrich Heine in Beziehung setzen und der Begeisterung der Dichterinnen und Dichter nachspüren.

Ines Geipel: Schöner Neuer Himmel: Aus dem Militärlabor des Ostens

Ines Geipel © Annette Hauschild

17.9. | Samstag 19 Uhr | Oestrich-Winkel, Kelterhalle des Rheingau Musik Festivals

Ines Geipel Lesung
Andreas Platthaus Moderation

Die Idee war ebenso ambitioniert wie anmaßend: Der Neue Mensch im All galt im Weltraumprogramm der Sowjetunion als absoluter Leitstern. Auch in der DDR wurde zwischen 1972 und 1989 eine gründliche Forschungstätigkeit ausgelöst; die Unterwerfung und Beherrschung des Kosmos sollte durch Hochleistungsflieger, die sich über Jahre im Weltraum aufhalten könnten, möglich werden. Um „Körper mit optimaler Normierung“ zu kreieren, wurde in hochgeheimen Laboren gearbeitet. Aus Verschlussakten der DDR-Militärforschung setzt Ines Geipel in ihrem neuen Buch „Schöner Neuer Himmel – Aus dem Militärlabor des Ostens“ ein verstörendes Bild zusammen: Experimentiert wurde nicht nur an Tieren, sondern auch an Menschen, in Krankenhäusern, Gefängnissen, an Soldaten und im Hochleistungssport. Geipel wirft ein scharfes Licht auf ein bislang ausgeblendetes Erbe der DDR und liefert eine Zeitdiagnose über entgrenzte Körperforschung, die unerfreulich aktuell ist, weil das Streben nach der Vorherrschaft im Kosmos kein Phänomen der Vergangenheit ist, sondern heute eine Renaissance erfährt.

Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, war vor ihrer Flucht aus der DDR im Jahr 1989 Hochleistungssportlerin. Im Westen wurde sie Literaturwissenschaftlerin und lehrt heute in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seit 1996 veröffentlicht sie Bücher. Auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen entstand 2019 das Buch „Umkämpfte Zone“. Ines Geipel erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt 2021 den Marieluise-Fleißer-Preis der Stadt Ingolstadt.

Gabriele Riedle: In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg

Gabriele Riedle © Claudius Pratsch

18.9. | Sonntag 11 Uhr | Geisenheim-Johannisberg, Burg Schwarzenstein

Gabriele Riedle Lesung
Heiner Boehncke Moderation

Als schreibende Reporterin war sie auf allen Kontinenten der Erde unterwegs. In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. Nun verabschiedet sich eine Frau von einer Welt, die einmal die eigene war: Gabriele Riedles Erzählerin hat erfahren, dass ein berühmter Kriegsfotograf, mit dem sie zusammengearbeitet hat, in Libyen getötet worden ist. Das ist der Anlass für sie, von diesem Mann zu erzählen, von seinem Leben und Sterben, aber auch von ihren eigenen Erfahrungen in allen möglichen Winkeln der Erde, in Afghanistan und im Dschungel von Papua-Neuguinea, im Inneren der Mongolei und im Kaukasus, von den Höhen des Himalaya und der Reise nach Liberia. „In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg“ beruht auf Gabriele Riedles langjähriger Erfahrung als Reporterin, ist jedoch originäre Prosa: eine kunstvolle Literatur, die zu ihrer eigenen Stimme kommt, weit weg vom Reportage-Realismus, voller eindrucksvoller Bilder. Das Nachdenken der Ich-Erzählerin und ihr persönliches Erleben kommen in einem mäandernden Bewusstseinsstrom in weit ausschwingenden musikalischen Sätzen zu Sprache.

Gabriele Riedle, geboren 1958 in Stuttgart, arbeitete als Journalistin unter anderen für die „Zeit“ und den „Spiegel“; 15 Jahre lang war sie Reporterin für das Magazin „Geo“. Gemeinsam mit dem russischen Schriftsteller Viktor Jerofejew verfasste sie den Roman „Fluss“. „In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg“ ist bereits ihr drittes Buch in der Anderen Bibliothek. Der Roman ist für den Deutschen Literaturpreis nominiert.

Rafael Seligmann: Rafi, Judenbub

Rafael Seligmann © privat

18.9. | Sonntag 18 Uhr | Geisenheim-Johannisberg, Burg Schwarzenstein

Rafael Seligmann Lesung
Martin Maria Schwarz Moderation

1957 kehren Ludwig und Hannah Seligmann mit ihrem zehnjährigen Sohn Rafael nach Deutschland zurück. Es fällt ihnen schwer, in der alten Heimat Fuß zu fassen. Rafael und sein Vater leiden zunehmend unter Vorurteilen. Die Familie übersiedelt schließlich nach München, wo sie sich allmählich einlebt. Trotz aller Hindernisse macht der verträumte Schulversager Rafael das Abitur, studiert Geschichte und hat – gegen den erbitterten Widerstand der Mutter – eine Beziehung mit Ingrid, einer „Schickse“. Ebenso einfühlsam wie unsentimental erzählt Rafael Seligmann in „Rafi, Judenbub“, dem dritten Teil seiner autobiographischen Familiensaga, von der schwierigen Suche nach der verlorenen Heimat des Vaters. Dieser Roman ist zugleich ein Stück Zeitgeschichte aus einem Deutschland, in dem die Verantwortung für die Vergangenheit noch kaum im öffentlichen Bewusstsein verankert war.

Rafael Seligmann, geboren 1947 in Tel Aviv, lebt seit 1957 in Deutschland, dem Heimatland seines Vaters, das dieser 1934 verlassen hatte. Er arbeitete als Journalist und Politikberater; sein erster Roman erschien 1988. „Rafi, Judenbub“ ist der Abschlussband einer Trilogie, die der eigenen Familiengeschichte folgt; die ersten beiden Teile sind „Lauf, Ludwig, lauf“ (2019) und „Hannah und Ludwig“ (2020). Seligmann engagiert sich im Verein „GesichtZeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“.

Cécile Wajsbrot / Anne Weber: Nevermore

Cécile Wajsbrot © imago images/Christian Thiel

21.9. | Mittwoch 19 Uhr | Eltville-Erbach, Weingut Baron Knyphausen

 Cécile Wajsbrot, Anne Weber Lesung
Andreas Platthaus Moderation

Nach dem Tod einer befreundeten Schriftstellerin zieht sich eine französische Übersetzerin nach Dresden zurück, um dort an der Übertragung von Virginia Woolfs Roman „To the Lighthouse“ zu arbeiten. Auf ihren nächtlichen Spaziergängen durch die fremde Stadt glaubt sie der toten Freundin zu begegnen und noch einmal mit ihr reden zu können. Die Einsamkeit der Übersetzerin weitet sich zu einem gewaltigen Echoraum, der von dem verfallenen Haus als Schauplatz von Virginia Woolfs Roman über das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Dresden bis zu der Verbotenen Zone um das Atomkraftwerk von Tschernobyl reicht. Cécile Wajsbrots neuer Roman „Nevermore“  handelt vom Vergehen der Zeit, von Verschwinden und Wiederkehr, Vergänglichkeit und Ewigkeit – und vom  Übersetzen als Lebensprinzip. Ins Deutsche gebracht wurde er von Anne Weber, die mit ihrem Versroman  „Annette – Ein Heldinnenepos“ 2020 den Deutschen Buchpreis gewann. Zwei Übersetzerinnen und  Romanautorinnen erzählen gemeinsam, wie man zur Sprache findet.

Cécile Wajsbrot, geboren 1954 in Paris, ist Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Deutschen und Englischen ins Französische. Ihre Übersetzung von Virginia Woolfs Roman „The Waves“ kam 1993 heraus, eigene Prosa erscheint seit 1982.

Anne Weber, geboren  1964 in Offenbach, lebt seit 1983 in Paris, wo sie aus dem Deutschen ins Französische und aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. Ihre Übersetzung von Cécile Wajsbrots „Nevermore“ wurde im Frühjahr 2022 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Heike Geißler: Die Woche

Heike Geißler © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

23.9. | Freitag 19 Uhr | Geisenheim-Johannisberg, Kloster Johannisberg

Heike Geißler Lesung
Ruth Fühner Moderation

„Politik, Europa, Gegenwart, Alltag, das kann einem ja nun keiner erzählen, dass das keine Auswirkungen hat“, ruft die Erzählerin in Heike Geißlers Roman „Die Woche“ ihrer Freundin Constanze zu. Zusammen sind die beiden Frauen die proletarischen Prinzessinnen – „Prinzessinnen, wie sie nicht in jedem Buche stehen. Aber wartet nur, wir schreiben uns in die Bücher hinein.“ Zusammen wollen sie Widerstand leisten. Eine Revolte anzetteln. Die alten Märchen überschreiben. Denn etwas ist aus den Fugen geraten in ihrem Leipziger Alltag: Plötzlich drängen sich immer mehr Montage in die Woche. Da sind Riesen, die wie aus dem Schauermärchen in die Wirklichkeit schnellen. Da ist der Tod, der, eben noch erschöpft, immer mehr zum Akteur wird. Da ist ein unsichtbares Kind, das dafür plädiert, geboren zu werden. Da ist der schönste Roman der Welt in weißen Jeans. Alte Sicherheiten gehen verloren, und neue Formen des solidarischen Sprechens und Handelns werden erprobt. „Die Woche“ ist ein luzider Kommentar auf unsere Gegenwart, ein Plädoyer für Spaß, klugen Protest und das Ringen um Lebendigkeit – radikal subjektiv und hochpolitisch.

Heike Geißler, geboren 1977 in Riesa, lebt als Schriftstellerin in Leipzig. Ihr Debütroman „Rosa“ erschien 2002, Aufsehen erregte sie 2014 mit dem Erfahrungsbericht „Saisonarbeit“.

Literarische Wanderung durch Amors Garten

Niederwald Tempel © Rüdesheim Tourist AG /Marlis Steinmetz

24.9. | Samstag 10:30 Uhr | Rüdesheim, Schiffsanleger der Bingen-Rüdesheimer

Heiner Boehncke Lesung
Wolfgang Blum Kultur- und Weinbotschafter

Rheingauer „Grand Tour“ auf den Spuren der deutschen RomantikMit Schiff- und Sesselliftfahrt, viel Literatur, Weinprobe und Vesper am Jagdschloss geht es, begleitet von Heiner Boehncke und dem Kultur- und Weinbotschafter Wolfgang Blum, an den Geburtsort der Rheinromantik: Hoch über Rüdesheim thront der Osteinische Landschaftspark – Inbegriff für die romantische Begegnung von Natur und Mensch. Vom Grafen Johann Friedrich von Ostein angelegt, ist er heute eines der bedeutendsten Beispiele für Landschaftsarchitektur zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier ist die Natur zum Kunst- und Erlebniswerk geworden – die Kunst hat sich mit der Natur verschwistert. Beim Streifzug durch den Landschaftspark vorbei an der Ruine Rossel, der Zauberhöhle und dem Rittersaal, erkunden wir den Niederwald, genießen die herrlichen Ausblicke in das Rheintal und spüren dem beeindruckenden Atem der deutschen Romantik nach. Und auch die einmalige Kulturgeschichte des Rheingaus lässt sich ganz hautnah erleben, wenn exquisite Weinlagen verkostet werden.

Martin Mosebach: Taube und Wildente

Martin Mosebach © Hagen Schnauss

24.9. | Samstag 19 Uhr | Geisenheim-Johannisberg, Kloster Johannisberg

Martin Mosebach Lesung
Martin Maria Schwarz Moderation

Bereits im Frühjahr 2022 erregte „Taube und Wildente“, der neue Roman von Martin Mosebach, großes Aufsehen, als bekannt wurde, dass der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller damit vom Rowohlt Verlag zu dtv wechselt. Beim Rheingau Literatur Festival wird er daraus lesen – drei Wochen vor Erscheinen – und auch aus dem 2021 noch bei Rowohlt publizierten Vorgängerroman „Krass“, der Geschichte eines verschwenderisch großzügigen Geschäftsmanns, der Menschen mit kannibalischem Appetit verbraucht. Der erzählerische Bogen wird dabei von Neapel über Frankreich bis nach Kairo gespannt, und auch Mosebachs neues Buch, „Taube und Wildente“, wird vom Verfasser, diesem großen reisenden Beobachter unter den deutschen Autoren, als „kosmopolitischer Roman“ charakterisiert.

Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main, ist Schriftsteller. 2007 bekam er den Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Beim Rheingau Literatur Festival trat er zuletzt 2003 auf.

Verleihung des 29. Rheingau Literatur Preises an Katerina Poladjan

Katerina Poladjan © Andreas Labes

25.9. | Sonntag 11 Uhr | Geisenheim-Johannisberg, Burg Schwarzenstein

Den Rheingau Literatur Preis 2022 erhält die Schriftstellerin Katerina Poladjan für ihren Roman „Zukunftsmusik“. Die Preisverleihung findet am Sonntag den 25. September um 11 Uhr statt. Die  Laudation wird Shirin Sojitrawalla halten.

„Mit ‚Zukunftsmusik‘ ist Katerina Poladjan ein vielstimmiges Gesellschaftsporträt gelungen“, so die Begründung der Jury. „Es erzählt von einem einzigen Tag des Jahres 1985 in einer sowjetischen Gemeinschaftswohnung. Mittelpunkt sind Frauen aus vier Generationen einer Familie. Der Roman lotet im Zusammenspiel mit Motiven der russischen Literatur Schicksale aus, die mit dem Tod des Generalsekretärs Konstantin Tschernenko und dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow vor einem Umbruch stehen: politisch wie privat. ‚Zukunftsmusik‘ erinnert an einen Moment der jüngeren Geschichte, in dem alles möglich schien.“

Der seit 1994 vergeben Rheingau Literatur Preis ist dank Zuwendungen des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Rheingau Musik Festival e.V., des Hotels Burg Schwarzenstein und des VDP Rheingau mit 11.111 Euro und 111 Flaschen besten Rheingauer Rieslings dotiert.

Dörte Hansen: Zur See

Dörte Hansen © Sven Jaax

25.9. | Sonntag 18 Uhr | Geisenheim-Johannisberg, Burg Schwarzenstein

 Dörte Hansen Lesung
Andreas Platthaus Moderation

Als Schluss- und ein Höhepunkt des diesjährigen Festivals kehrt mit Dörte Hansen eine Rheingau-Literaturpreisträgerin zurück. Vier Jahre lang hat ihr riesiges Publikum auf den neuen Roman der  Erfolgsschriftstellerin warten müssen, und seine Buchpremiere erlebt „Zur See“ nun beim Rheingau Literatur Festival. Wieder ist die Handlung in Hansens norddeutscher Heimat angesiedelt, doch diesmal verlassen die Akteure das sichere Festland hinter den Deichen, das Geschehen spielt auf einer abgelegenen Nordseeinsel. Dort kämpft die Familie Sander auf und mit jenem Element, das schon in den beiden früheren Romanen als stete Bedrohung präsent war: Wasser. Ein Jahr deckt die Handlung ab, an deren Ende alles anders sein wird. Die typische Eleganz und Knappheit ihrer Prosa hat Hansen für „Zur See“ noch einmal zugespitzt: Der Roman hat nur knapp 200 Seiten, doch an Figuren und Stimmen ist er ebenso reich wie seine Vorgänger.

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, machte nach einer journalistischen Karriere bei mehreren öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten 2015 mit ihrem Debütroman „Altes Land“ Furore, der nicht nur zu einem der bestverkauften deutschsprachigen Bücher der letzten zwanzig Jahre wurde, sondern auch großes Kritikerlob erhielt. 2019 gewann Dörte Hansen mit dem Nachfolgeroman „Mittagsstunde“ den Rheingau Literatur Preis.

https://www.burg-schwarzenstein.de/

Hauptsponsor des Rheingau Literatur Festivals

Relais & Châteaux Hotel Burg Schwarzenstein

Medienpartner des Rheingau Literatur Festivals

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