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Rheingau Literatur Preis

Der Rheingau Literatur Preis ist mit 11.111 Euro und 111 Flaschen besten Rheingau Rieslings dotiert und würdigt herausragende deutschsprachige Prosa der letzten zwölf Monate. Die durch das Rheingau Literatur Festival initiierte Ehrung wird in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben.

Der Geldpreis von 11.111 Euro wird mit je 5000 Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur und vom Rheingau Musik Festival e. V. getragen. Der Hauptsponsor des Rheingau Literatur Festivals, Burg Schwarzenstein Relais & Châteaux, stockt die Summe um 1.111 Euro auf. 111 Flaschen besten Rheingauer Weins stellt der Verband Deutscher Prädikatsweingüter Rheingau zur Verfügung.

© Michael Bader

„Matthias Jüglers Roman,Maifliegenzeit‘ erzählt uns die traumatische Geschichte einer Familie, die gewaltsam um ihr gemeinsames Glück betrogen wurde. Er schlägt damit ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte auf – umso wichtiger ist, dass wir davor nicht die Augen verschließen. Ich gratuliere Matthias Jügler herzlich zur Auszeichnung.“

- Timon Gremmels (Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur) -

Den Rheingau Literatur Preis 2024 erhält der Schriftsteller Matthias Jügler für seinen Roman „Maifliegenzeit“. Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle/Saale, studierte Skandinavistik und Kunstgeschichte in Greifswald sowie Oslo und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sowohl für seinen Debütroman „Raubfischen“ (2015) als auch für seinen Roman „Die  Verlassenen“ (2021) wurde er mehrfach ausgezeichnet, 2022 erhielt er den Klopstock-Preis für Literatur des Landes Sachsen-Anhalt. 2023 war Jügler Stadtschreiber von Halle. Er lebt mit seiner  Familie in Leipzig, wo er auch als freier Lektor arbeitet.

Die Verleihung des Rheingau Literatur Preises 2024 findet am 22.9. auf Burg Schwarzenstein statt.

 

Die Jury

Andreas Platthaus, Künstlerischer Leiter des Rheingau Literatur Festivals, Leiter das Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der F.A.Z.

Prof. Dr. Heiner Boehncke, Publizist und Literaturwissenschaftler

Dr. Viola Bolduan, ehemalige Feuilletonchefin Wiesbadener Kurier

Dr. Alf Mentzer, Literaturredakteur hr2-kultur

Shirin Sojitrawalla, Literatur- und Theaterkritikerin

„Matthias Jüglers dritter Roman heißt „Maifliegenzeit“, und im Titel steckt bereits das nur kurze Glück, das dem Ich-Erzähler Hans und seiner Frau Katrin beschieden ist. Im Mai, so erfahren wir im Buch, schwärmen für wenige Tage kleine Insekten aus und machen die Fische gefräßig und damit unvorsichtig. ‚Seit jeher faszinieren mich diese Fliegen‘, erzählt der passionierte Angler Hans über die den größten Teil ihres Lebens verborgenen Tiere: ‚Nur, weil sich etwas konsequent dem Blick entzieht, heißt das nicht, dass es nicht existiert.‘ Das gilt auch für das, was dem jungen Ehepaar in der Spätphase der DDR widerfährt, als ihr Kind zur Welt kommt. Im Krankenhaus wird vom Personal der Tod des Säuglings vorgetäuscht, um das Neugeborene zur Adoption an andere Eltern weiterzureichen. Der Roman erzählt von der verspäteten Suche des Vaters nach der Wahrheit und dem mittlerweile erwachsenen Sohn. Beide findet er, doch damit ist für ihn der Sohn noch nicht gewonnen. Jüglers literarische Präzision erlaubt ihm, seinen Stoff in nicht einmal hundertfünfzig Seiten zu fassen und sich dennoch den nötigen Raum für eine Beschreibungsgenauigkeit zu nehmen, die der psychologischen Last der verzweifelten Eltern ebenso gerecht wird wie dem für den Ich-Erzähler seelenwichtigen Naturerlebnis des Angelns. ‚Maifliegenzeit‘, der einen realen Verdachtsfall zur Vorlage hat, macht einen Schatten der Zeitgeschichte sichtbar, aber erhebt nicht den Anspruch aufzuklären, was damals geschah. Die Literatur bleibt bei sich: als Möglichkeitsraum.“

- aus der Jurybegründung -

Die bisherigen Preisträger

Stefanie Menzinger, „Schlangenbaden“ (1994)
Ulla Berkéwicz, „Mordad“(1995)
Herbert Maurer, „Ein Rabenflug“ (1996)
Thomas Meinecke, „Tomboy“ (1997)
Hella Eckert, „Hanomag“ (1998)
Thomas Lehr, „Nabokovs Katze“ (1999)
Peter Stamm, „Agnes“ und „Blitzeis“ (2000)
Bodo Kirchhoff, „Parlando“ (2001)
Robert Gernhardt, „Im Glück und anderswo“ (2002)
Reinhard Jirgl, „Die Unvollendeten“ (2003)
Ralf Rothmann, „Junges Licht“ (2004)
Gert Loschütz, „Dunkle Gesellschaft“ (2005)
Clemens Meyer, „Als wir träumten“ (2006)
Antje Rávic Strubel, „Kältere Schichten der Luft“ (2007)
Ursula Krechel, „Shanghai fern von wo“ (2008)
Christoph Peters, „Mitsukos Restaurant“ (2009)

Jochen Schimmang, „Das Beste, was wir hatten“ (2010)
Josef Haslinger, „Jáchymov” (2011)
Sten Nadolny, „Weitlings Sommerfrische“ (2012)
Ralph Dutli, „Soutines letzte Fahrt“ (2013)
Stephanie Bart, „Deutscher Meister“ (2014)
Klaus Modick, „Konzert ohne Dichter“ (2015)
Saša Stanišić, „Fallensteller“ (2016)
Ingo Schulze, „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst" (2017)
Robert Seethaler, „Das Feld" (2018)
Dörte Hansen, „Mittagsstunde" (2019)
Annette Penth, „Alles was Sie sehen ist neu" (2019)
Judith Hermann, „Daheim" (2021)
Katerina Poladjan, „Zukunftsmusik" (2022)
Arno Geiger, „Das glückliche Geheimnis" (2023)